Das Vaterunser

 

Vater unser im Himmel

Wir stellen uns einen Vater als eine liebende Person vor. Nicht jeder Mensch hat das Glück,
jetzt oder früher in seinem Leben einen liebenden Vater zu haben oder gehabt zu haben.
Aber wir sehen es doch ein, dass es eine ideale Sache ist, einen liebenden Vater zu haben.

Wer ist nun der Vater im Himmel. Natürlich ist nicht etwa unser leiblicher Vater gemeint, der
vielleicht schon gestorben ist und von dem wir glauben, dass er sich bereits im Himmel befindet.
Nein, es ist der göttliche Vater. Viele Menschen glauben nicht daran, dass es einen lieben
göttlichen Vater gibt. Sie argumentieren so: Wenn der Herrgott ein liebender Vater wäre,
so würde er das viele Elend, das es auf Erden gibt, nicht zulassen. Sie bedenken aber nicht,
dass er die Menschen als völlig freie Wesen geschaffen hat, die im Prinzip alles tun können,
was sie wollen und können. Gott übt nie einen Zwang auf uns aus. Aber auch wir Menschen
sollten keinen Zwang auf unsere Mitmenschen ausüben, auch wenn das oft geschieht, nicht
zuletzt auch in religiösen Gruppierungen. Wenn wir keinen freien Willen hätten, dann wären
wir nur fremdbestimmte Roboter. Welcher Mensch fühlt sich schon als solcher?

 

Geheiligt werde Dein Name

Es fällt auf, dass wir den Vater im Gebet mit DU anreden sollen. So hat es uns Jesus gelehrt.
Wenn es auch auf der Welt Kulturen gibt, bei denen der leibliche Vater mit SIE angeredet wird,
so ist das natürliche Empfinden der meisten Menschen doch so, dass das DU eher angebracht
ist. Wer eine Person mit SIE anspricht, der will damit zum Ausdruck bringen, dass er ihr damit
mit Respekt begegnen will. Sollten wir das dem Herrgott gegenüber nicht auch tun? Ja schon,
aber Jesus möchte, dass wir dem lieben Vater ganz nahe kommen. Aber Achtung: Man soll Gott
ehren, das heisst, seinen Namen nicht ehrfurchtslos aussprechen, denn er ist heilig.

 

Dein Reich komme

Was ist denn das Reich Gottes. Es ist das Reich der Liebe; der Liebe zu Gott und der Liebe zu
den Nächsten. Es ist sicher schwieriger, Gott so ganz innig zu lieben, als seine Mitmenschen zu
lieben. Gott kann man nicht unmittelbar sehen, seinen Nächsten aber sehr wohl. Es ist eine gute
Übung für uns, die Nächstenliebe zu praktizieren. Damit wird gewiss unsere Liebe zu Gott auch
wachsen.

 

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden

Betrachten wir diese Bitte doch nicht als Aufforderung an den Herrgott. Sein Wille geschieht ja
sowieso immer. Er ist ja allmächtig. Nein, es ist eine Aufforderung an uns. Wir müssen nicht
meinen, dass unsere Auffassung von dem, was geschehen soll, immer die richtige ist. Gott hat
immer den Überblick. Und er meint es gut mit uns, auch wenn er uns manchmal leiden lässt.
Er will nicht, dass wir leiden. Aber weil wir eben frei sind, lässt es Gott zu, dass wir als
Konsequenz unseres Tuns auch die Folgen tragen müssen.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

Es ist verständlich, dass wir Gott darum bitten, dass er uns die Nahrung gibt, die wir für unser
leibliches Leben nötig haben. Wenn wir das Glück haben, als gesunde Menschen einer
geordneten Arbeit nachzugehen, dann dürfte es für uns im westlichen Abendlande nicht allzu
schwierig sein, unser tägliches Brot zu verdienen. Es gibt zwar auch bei uns arme Leute, die
oft unschuldig in Not geraten, aber überlassen wir es dem Vater, wie er ihnen helfen will.
Vergessen wir nicht den göttlichen Aufruf zur Nächstenliebe. Das Brot hat aber auch einen
Sinn als Entsprechung: Es ist das Wort Gottes, das wir aufnehmen sollen. Es gibt so viele
gute Schriften, in denen wir es finden können, vor allem auch in der Heiligen Schrift, z.B. im
Neuen Testament der Bibel. Sie ist heute jedem von uns zugänglich. Also essen wir von
dieser göttlichen Speise!

 

und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern

Welche Schuld tragen denn wir auf uns? Es ist anzunehmen, dass kein Mensch auf der Erde
ohne Schuld ist. Es ist ja nur der Vater im Himmel vollkommen. Wer weiss, vielleicht tragen
wir schon Schulden auf uns von einer früheren Existenz her. Wir sollen demütig sein und nicht
überheblich. Wie gross die Schuld ist, wissen wir nicht. Auf jeden Fall dürfen wir annehmen,
dass uns Gott unsere Sünden, die wir begangen haben, verzeihen kann und auch vergeben
wird, wenn wir Ihn ehrlich darum bitten. Aber wieso sollte Er dies auch tun? Gewiss dann nicht,
wenn wir selber nicht bereit sind, unseren Mitmenschen zu vergeben, wenn sie sich gegen uns

verfehlt haben.

 

und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel

Es ist menschlich, wenn wir den Versuchungen, die über uns kommen, nicht widerstehen können.
Aber Versuchungen müssen sein, damit wir durch sie wachsen können. Wir befinden uns ja hier
in einer Lebensprobe. Trotzdem dürfen wir Gott bitten, dass er allzu grosse Versuchungen, denen
zu widerstehen wir nicht die Kraft haben, nicht an uns herankommen lässt. Es gibt so viel Übles
auf der Welt. Und wer kann sich schon rühmen, immer stark zu sein. Die frühere Version des
Vaterunsers lautete: „erlöse uns von dem Übel“, wie es oben steht. Der neue Text: „erlöse uns von
dem Bösen“ kann leicht missverstanden werden. Böses zu tun ist eine Willenssache des Menschen.
Gott lässt uns den freien Willen, das zu tun, was wir wollen. Wir müssen uns bemühen, gut zu sein.
Der Vater will das so von uns, weil wir nur so glücklich werden können. Nimmt er uns die Freiheit,
Böses zu tun, dann sind wir unfreie Roboter. Wollen wir das? Wohl kaum!

 

denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit

Demut vor Gott zu haben ist unsere einzige Möglichkeit, selig zu werden. Jesus will und kann uns
glücklich machen. Er hat uns gezeigt, wie wir in sein Reich kommen können. Er ist allein der Herr
und bleibt es in alle Ewigkeit. Geben wir uns Mühe, Ihm nachzufolgen!

 

Amen

Was bedeutet das Amen? Es heisst „Und so sei es“. Dass es so ist, wie uns das Vaterunser lehrt,
liegt nicht an uns zu entscheiden. Aber wir können dazu stehen. Dies bekräftigen wir mit dem „Amen“.